Pro Tips

Hauttöne

Den richtigen Ton treffen

Für viele Make-up Artists ist es ein wahrer Höhepunkt ihrer beruflichen Karriere, wenn sie in der Lage sind, die ganze Bandbreite der Nuancen an Haut- und Hautuntertönen einer Person aufschlüsseln zu können. Denn erst dann werden die wirklichen Unterschiede zwischen den beiden so richtig klar. Und sie verstehen warum es so überaus wichtig ist, im wahren Sinne des Wortes „den richtigen Ton zu treffen“. Der Hautton oder Teint ist die über den Melaninanteil bestimmte Oberflächenfarbe, also das, was man bei einer Person auf den ersten Blick wahrnimmt. Hauttöne gibt es in den verschiedensten Varianten – von den blassesten bis hin zu den dunkelsten Brauntönen. In der Regel aber werden sie in vier Kategorien eingestuft: Blass, Hell, Mittel und Dunkel. Etwas kniffliger wird es dann allerdings beim Hautunterton, also der dezenten, gedämpften Farbe unter der Hautoberfläche, der sich nicht durch Licht, Bräunung, Haarfarbe oder andere äußere Faktoren verändern lässt. Und dieses Wissen müssen Make-up Artists nutzen, um ihre Farbpalette perfekt abstimmen zu können. Fingerspitzengefühl ist gefragt.

Das wahre Gesicht zeigen

Dem ungeschulten Auge scheint es fast banal, dass ein Gesicht aus Blau-, Gelb-, Rot - und Grüntönen besteht – aber das Spektrum der Untertöne ist tatsächlich enorm vielfältig. Noch dazu haben sie nichts damit zu tun, wie hell oder dunkel die Haut auf der Oberfläche scheint – die gleiche Regel gilt also für alle Hauttöne und Ethnien. Trotz der unendlichen Varianten von Untertönen gibt es in der Regel drei Kategorien: Warm, Kühl und Neutral. Zu den warmen Untertönen gehören Gelb, Pfirsich und Gold mit grünlichen Äderchen. Als kühle Untertöne definieren sich Rot und Rosa mit bläulichen Äderchen. Neutrale Untertöne sind hauptsächlich Olivgrün oder eine Mischung aus warmen und kühlen Farbtönen. Um ein schlüssiges Gesamtbild beim Make-up zu erzielen, muss der Make-up Artist ein gutes Auge für Untertöne sowie die Fähigkeit besitzen, warme, kühle oder neutrale Töne unterscheiden zu können. Dies betrifft sowohl die richtige Nuance der Foundation als auch die Auswahl der Farben für Lippen, Augen und Wangen. Jos Brands, Make-up-Experte und Head of Education bei Kryolan kommentiert: „Beim ersten Blick auf ein Model kann ich den Unterton normalerweise sofort bestimmen. Manchmal ist es allerdings nicht so einfach, weil manche Menschen eine ungewöhnliche Kombination aus Unterton und Hautton besitzen.“ Paul Merchant, Head of Make-up bei Kryolan, fügt hinzu: „Ein Mensch kann unterschiedliche Hautuntertöne im Gesicht haben. So können die Wangen beispielsweise warm sein, während Stirn und Kinn kühl sind. Deshalb sollte man unbedingt eine Palette mit einer breiten Auswahl an Farben verwenden. Mit nur einem Farbton im ganzen Gesicht, wird man nie mehr als einen Maskeneffekt erzeugen können.“

Von der Theorie zur Praxis

Eine Foundation, die nicht auf die einzigartigen Hautuntertöne abgestimmt ist, kann unharmonisch und deplatziert wirken. Und genau hier kommen die Grundsätze der Farblehre zum Einsatz (siehe M.U.I. Ausgabe 3). Werden Komplementärfarben übereinander gelegt, kann ein Farbausgleich stattfinden. Wenn man also auf einem neutralen Grundton eine zu warme bzw. kühle Foundation verwendet, kann das Gesicht schnell orange- oder rosa-stichig aussehen. Verwendet man auf einem kühlen Unterton eine warme Farbe oder eine kühle Farbe auf einem warmen Unterton, erzielt man meist nur Graueffekte. Bei gebräunter Haut oder schwierigen bzw. gedämpften Lichtverhältnissen sollten hellere bzw. dunklere Nuancen mit demselben Unterton verwendet werden. Wichtig hierbei ist nicht einfach die nächste Nuance auf der Farbskala nach oben oder unten auszuwählen – der Hautunterton ist essentiell und muss in jedem Fall berücksichtigt werden. Jos Brands erklärt, wie man die Farblehre für schnelle Ergebnisse nutzen kann: „Es gibt schon auch Fälle, wo man einfach nicht den richtigen Farbton einer Foundation zur Verfügung hat und diese selbstständig anmischen muss. Das aber klappt natürlich nur, wenn man sich in Farblehre und Farbharmonie gut auskennt.”

Hautton

Hierbei handelt es sich um die Oberflächenfarbe der Haut, die meist in die Kategorien Blass, Hell, Mittel und Dunkel eingestuft wird. Die Oberflächenfärbung der Haut kann durch viele Faktoren beeinflusst werden, wie z.B. Sonneneinstrahlung und Hauterkrankungen, allerdings bleibt der Unterton der Haut dabei stets unverändert.


Hautunterton

Untertöne sind entweder warm, kühl oder neutral. Zur kühlen Variante zählen Rosa, Rot und Blau, zur warmen Pfirsich, Gelb und Gold.


Das Herausfinden des Hautuntertons



Der Kreativität freien Lauf lassen

Sobald die Foundation stimmt, geht es ran an das restliche Make-up. Bei warmen Hautuntertönen erzielt man mit den Basisfarben Gelb, Orange oder Rot ein homogeneres Ergebnis. Allerdings können kühlere Blau- und Grüntöne als auffällige Kontrastfarben auch richtig gut aussehen und ein Statement setzen. Kühle Untertöne werden mit Grün, Blau und blautönigem Rot so richtig in Szene gesetzt, wohingegen wärmere Farbtöne wie warmes Rot, Orange und Gelb einen auffälligen Kontrast bieten könnten – hier gilt aber mit großer Vorsicht sich heranzutasten. Außerdem gibt es für alle Hautuntertöne einen klassisch roten Lippenstift – orange-rot für warme, blau-rot für kühle Typen. Haut mit neutralen Untertönen, wie z.B. Olivgrün oder mit einer Mischung aus warmen und kühlen Untertönen, ist mit fast allen Kombinationen kompatibel. Bei jeder Art von Make-up müssen die Grundsätze der Farbharmonie beachtet werden, um einen chaotischen Look zu vermeiden. Allerdings sollte man auch keine Angst davor haben, mal etwas auszuprobieren. Paul Merchant ist ein Verfechter des eigenen Bauchgefühls: „Man sieht doch mit eigenen Augen, ob eine Lippen-, Augen- oder Rouge-farbe zu einem Menschen passt oder nicht. Und falls nicht, einfach wieder runter damit. Einige meiner bis dato erfolgreichsten Make-ups sind durch Ausprobieren entstanden.“



Tipps & Tricks

Make-up Artists müssen sich das Model in natura ansehen, um die Hautuntertöne bestimmen zu können. Auf einem Foto kann das Erscheinungsbild der Haut durch digitale Bearbeitung, spezielle Beleuchtung oder Make-up schnell verzerrt werden. Das Wichtigste bei der Analyse: Sie sollte stets bei Tageslicht stattfinden. Zur Bestimmung der Hautuntertöne aus nächster Nähe gibt es eine Reihe von grundlegenden Tests. An erster Stelle sollte man sich die Äderchen ansehen. Sind sie blau bzw. grün, weist das auf kühle bzw. warme Untertöne hin. Sind beide Typen vorhanden, haben wir es mit einem neutralen Hauttyp zu tun. Wenn alle Stricke reißen, gibt es immer noch ein bewährtes Hilfsmittel: ein Test, bei dem Weißtöne Cremetönen gegenüber gestellt werden. Halten Sie dazu einfach zwei Kleidungsstücke (ein weißes und ein cremefarbenes) an die ungeschminkte Haut und prüfen Sie, welche Farbe am besten zur Haut passt. Weiß eignet sich dabei eher für warme, Creme eher für kühle Töne. Wenn beide irgendwie passen, haben wir es mit einem neutralen Unterton zu tun.
Im Zweifelsfalle fragen Sie das Model, ob es Silber- oder Goldschmuck bevorzugt. Wenn letzterer dem Teint schmeichelt, ist der Unterton warm. Wird Silberschmuck präferiert, ist der Hauttyp eher kühl. Gibt es keine Präferenz, haben wir es mit einem neutralen Unterton zu tun.